Interkulturelle Kompetenz modellieren und trainieren:

Standards fÜr die Fremdsprachenlehrerausbildung

 

Rainer Bendick (Osnabrück)

Mehr als ein deutsch-französischer Perspektivwechsel.
Welche Möglichkeiten bietet das deutsch-französische Schulgeschichtsbuch für interkulturelles Lernen im Fremdsprachenunterricht?

 

Kulturelle Unterschiede lassen sich kaum aus der Gegenwart erklären. Sie beruhen fast immer auf unterschiedlichen historischen Entwicklungen und – mehr noch – auf unterschiedlichen Deutungen gemeinsamer Erfahrungen. Gerade das wirkt irritierend: die gemeinsame Geschichte führt in der Gegenwart oft zu einander widersprechenden Verhaltensweisen. Pragmatisch kann man sich auf solche Gegensätze einfach einstellen und sie zur Kenntnis nehmen oder aber – und das ist die Chance, die das deutsch-französische Geschichtsbuch eröffnet – man kann sie im deutsch-französischen Verhältnis verständlich machen. Dabei geht es um mehr als um klassische Landeskunde oder um einen Perspektivwechsel. Vielmehr trainiert die Arbeit mit ausgewählten Kapiteln des deutsch-französischen Geschichtsbuchs einen Habitus, der die eigenen nationalen Gewissheiten und die daraus folgenden kulturellen Praktiken als solche erkennt, die der anderen Nation versteht und zugleich versucht, eine gemeinsame Sicht zu entwickeln.

Nach einer kurzen Vorstellung des Projekts deutsch-französisches Schulgeschichtsbuch werden folgende Themen aufgegriffen, die in immer wieder zu wechselseitigen Missverständnissen führen und auch im Fremdsprachenunterricht von Bedeutung sind:

  • die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg
  • der spezifisch französische Umgang mit der Kollaboration und der Résistance
  • der Stellenwert der Ersten Weltkriegs
  • das Verhältnis von Religion und Staat
  • der Mythos der Republik

Dabei geht es nicht um eine historische Annäherung als solche, sondern um die Möglichkeiten, die eine Historisierung von aktuellen kulturellen Gegensätzen für den Fremdsprachenunterricht bietet.

 

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