Psychologische Erklärungsmodelle und Konsequenzen für den Grundschulallltag betroffener Kinder mit Asperger-Syndrom


Startseite        Asperger-Syndrom            Psychiatrische Begleitsymptome             Psychologische Erklärungsmodelle             Konsequenzen für den Grundschulalltag             Literatur

Psychiatrische Begleitsymptome

Die psychiatrischen Begleitsymptome, die bei Kindern mit Asperger-Syndrom möglicherweise auftreten können, werden als heterotypen Komorbidität bezeichnet, da die auftretenden Störungen nicht der gleichen Krankheitsgruppe angehören. Die Kernsymptome der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), also Aufmerksamkeitsdefizite, eine motorische Unruhe sowie hohe Impulsivität gelten als häufigst erwähnte Begleiterscheinung einer autistischen Störung. In vielen Fällen wird bei Kindern mit Asperger-Syndrom in der frühen Kindheit zunächst die Diagnose ADHS gestellt, denn die typischen Interaktionsstörungen stehen erst zu einem späteren Zeitpunkt im Vordergrund des Störungsbildes des Asperger-Syndroms. 

Übersicht: 

- Aufmerksamkeitsdefizit-  (Hyperaktivitäts)störung 

- Angststörungen 

- Schlafstörungen 

- Essstörungen

Es ist anzunehmen, dass zusätzliche Belastungen mit Symptomen aus dem Bereich der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen mit einer größeren Beeinträchtigung im Alltag einhergehen. Eine gründliche Diagnostik kann sich demnach für weitere pädagogische Handlungsschritte als nützlich herausstellen. Dies ist vor allem im Grundschulalltag zu beobachten. 
Weitere Studien ergaben, dass Personen mit Asperger-Syndrom eine höhere Rate an oppositionellen Strungen vorweisen als Personen mit anderen Beeinträchtigungen des autistischen Spektrums. Des Weiteren stellte sich heraus, dass eine deutliche Aggressivitätssteigerung bei Kindern mit niedrigem IQ und herabgesetzten Fertigkeiten im Bereich der expressiven Sprache zu beobachten war, welche durch eine schwere soziale Beeinträchtigung und einem hohen Ausmaß der repetitiven Verhaltensweisen begünstigt wird. 

Angststörungen stellen ein weiteres psychiatrisches Begleitsymptom dar und gehören zu den häufigsten komorbiden Störungen innerhalb des autistischen Spektrums. Die Angst bezog sich bei den meisten Betreffenden auf mehr als ein Objekt oder eine Situation. Die am häufigsten genannte Angst wurde vor Menschenmengen oder Injektionsnadeln geäußert, viele betreffende Kinder äußerten zusätzlich Angst vor lauten Geräuschen. 

Bei dem klinischen Bild des Asperger-Syndrom besteht außerdem eine Tendenz zur Komorbidität mit Schlafstörungen. Eltern gaben während einer Untersuchung (vgl. Richdale 1999) mit 44-83% an, dass ihre Kinder unter Einschlafproblemen litten, vermehrte Schlafprobleme zeigten sich bei Betreffenden mit normaler intellektueller Leistungsfähigkeit. Man geht davon aus, dass bei Menschen mit Asperger-Sxndrom möglicherweise der Schlafrythmus und die Schlafarchitektur beeinträchtigt sind. 

Ein weiteres psychiatrisches Begleitsymptom bei Kindern mit Asperger-Syndrom kann durch Essstörungen auftreten, welche in vielen Fällen aufgrund eines einseitigen Essverhaltens, bedingt durch sensorische Besonderheiten im taktil-kinästhetischen Bereich , zustande kommt. Der Body Mass Index vieler Betroffener ist unterdurchschnittlich, obwohl bei keinem eine anorektische Störung festgestellt werden konnte. 
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Asperger-Syndrom eine hohe Komorbidität mit anderen psychiatrischen Begleitsymptomen aufweist. Es wird deutlich, dass eine gründliche Diagnostik bei Kindern mit Asperger-Syndrom notwendig ist, um Lehrkräften die Möglichkeit zu schaffen, die Betroffenen gezielter im Unterricht, unter individueller Berücksichtigung weiterer Komorbiditäten, fördern zu können. Der Vollständigkeit halber ist anzumerken, dass es weitere psychopathologische und neurologische Begleiterscheinungen bei Betreffenden mit Asperger-Syndrom gibt, der zuletzt aufgeführte Abschnitt soll jedoch ausschließlich einen kurzen Überblick über die mögliche Komorbidität darstellen.







.